
Restaurant, Rekord & Radioshow
Die CampusKunst gibt Studierenden eine Bühne sich auszuprobieren. Für manche war das der Startschuss für eine künstlerische Karriere, für manche ein Schlüsselmoment für spätere Lebensentscheidungen.

Fantômes de Flammes: Sara Lang und Fabian Geyrhalter
Das Spiel mit dem Feuer war für Sara Lang und Fabian Geyrhalter nur kurz ein Hobby. Dann schnell ein gewinnbringender Nebenjob während des Studiums. Und nach drei Jahren schließlich waren sie an einem Punkt, an dem sie merkten: Die Einnahmen aus den Auftritten reichen zum Leben, für einen Abschluss in Regelstudienzeit reicht es dagegen nicht mehr.
Ihr Auftritt bei der CampusKunst 2011 war einer der ersten. In Dirndl und Lederhosen ließen sie im Innenhof der Hochschule Augsburg Feuerseile Funken sprühen. Kurz zuvor hatten sich die beiden auf einer Party an der Uni kennengelernt. Sara Lang studierte damals noch Jura, Fabian Geyrhalter Mathematik. Sie hatte damals schon Gefallen gefunden an Akrobatik kombiniert mit Feuerkunst, er wollte vielmehr ihr gefallen. Gemeinsam mit einer Gruppe anderer Studierender trainierten sie, immer auf der Suche nach neuen Auftrittsmöglichkeiten.
Seit rund zehn Jahren sind Sara Lang und Fabian Geyrhalter als Fantômes de Flammes unterwegs, seit drei Jahren sind sie miteinander verheiratet. Denn zusammengefunden haben sie nicht nur beruflich, sondern auch privat. Neben ihren Feuerkunststücken hat sich das Künstlerduo auf Lichtshows mit LEDs und Schwarzlicht spezialisiert. Zum einen seien hier die Auflagen nicht so streng, zum anderen sei es deutlich besser für Klima und Umwelt. Hauptsächlich treten sie bei privaten Feiern wie Hochzeiten und Geburtstagen auf, hinzu kommen Buchungen von Unternehmen oder für öffentliche Veranstaltungen wie den Augsburger Sommernächten.
Sara Lang organisiert außerdem Kinderzirkuswochen an Schulen und gibt Kurse im Stretching, Luftartistik und Hula Hoop. In letzterer Disziplin hält sie seit letztem Jahr einen Weltrekord: Sechs Reifen ließ sie bei einer Aufzeichnung für den Bayerischen Rundfunk für mehr als fünf Minuten gleichzeitig um die eigene Körperachse schwingen.
Viola Zwetschke
Sie sorgte bei der CampusKunst von Anfang an für die notwendige Sicherheit. Nicht als Türsteherin, sondern vielmehr als Türöffnerin für junge Talente. Denn Viola Zwetschke moderierte über vier Jahre hinweg von 2007 bis 2010 die Open Stage des Studierendenwerks. Die größte Herausforderung dabei: „Du präsentierst Menschen, die relativ aufgeregt sind und denen es noch an Bühnenerfahrung fehlt. Als Moderatorin muss man ihnen Sicherheit vermitteln und nicht noch mehr verunsichern, gleichzeitig aber auch noch das Publikum abholen.“
Für Viola Zwetschke zählt die CampusKunst ebenfalls zu ihren ersten Bühnenerfahrungen. Zuvor hatte sie lediglich die Abiturientenfeier und die Absolventenverabschiedung in ihrem Studiengang Medien und Kommunikation moderiert. Hatte sie denn ein ähnliches Lampenfieber wie die Künstler*innen? „Aufregung spüre ich vielmehr im Vorfeld eines solchen Auftritts. Nach den ersten Sekunden im Rampenlicht fällt die Anspannung dann aber ab. Es hilft, bei Bühnenmoderationen spontan zu bleiben und nicht an bestimmten Abläufen festzuhalten. So kann ich auch besser auf das Publikum reagieren.“
Bei CampusKunst merkte sie, dass ihr das gut gelang: „Das hat mich auf alle Fälle bestärkt, den Weg weiterzugehen.“ Die Arbeit hinter dem Mikro führte Viola Zwetschke nach ihrem Studienabschluss nicht nur auf weitere Bühnen, sondern vor allem zum Radio. Beim Augsburger Sender Radio Fantasy übernahm sie die Vormittagsshow. Zwei Tage in der Woche ist Viola Zwetschke dort nach ihrer Elternzeit immer noch zu hören, daneben übernimmt sie Eventmoderationen und Sprecherjobs. Die andere Hälfte ihrer Arbeitszeit ist sie als Coach im Bereich der persönlichen Weiterentwicklung tätig. Zwischen diesen beiden Arbeitsfeldern erkennt sie mittlerweile immer mehr Schnittstellen, wenn es um die Themen Kommunikation und Verbundenheit geht.
Lienus Nguyen
„Ich habe die Anspannung im Publikum auf der Haut gespürt. Es war mucksmäuschenstill. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können“, erzählt Lienus Nguyen von seinem Auftritt 2008 bei der CampusKunst. Sein Uni-Professor hatte ihn damals überzeugt mitzumachen. Und so stand der damalige Lehramtsstudent nur mit einer Unterhose bekleidet, einem Becher Quark, mehreren Stangen Lauch und einem Kochtopf auf der Bühne: eine Performance zum damals viel diskutierten Thema Studiengebühren.
„Mir war klar, das ist eine Kunstform, die das Publikum spaltet. Manche sind fasziniert, manche können gar nichts damit anfangen.“ Ohne es damals zu ahnen, kann Lienus Nguyen heute sagen: „Das ist genau mein Lebensweg geworden.“ Und er meint damit nicht die Kunst, sondern den Kochtopf, den Lauch, die Gemeinschaft durch Essen. Denn 2011 wurde das Lokal im Erdgeschosses des Hauses frei, in dem Lienus Nguyen bereits als Student wohnte. „Ich stand vor der Wahl: Entweder ich mache das erste Staatsexamen oder ich übernehme den Laden.“
Seitdem betreibt er in der Konrad-Adenauer-Allee das vegane Restaurant „K41 – Lecker essen“. Ein Lokal, das für seine familiäre Atmosphäre bekannt ist und von seinem Inhaber lebt: Denn Lienus Nguyen kocht, serviert, hat ein offenes Ohr für seine Gäste. Jeden Tag stellt er so einen Glücksteller zusammen mit wechselnden Zutaten. Auf den Tisch kommt, was gerade Saison hat. Ausgegeben wird solange, bis die Töpfe leer sind.
Performance-Kunst macht Lienus Nguyen dagegen schon länger nicht mehr, ab und an greift er aber noch zu den Malutensilien. „Meine künstlerische Arbeit hat sich mehr in den privaten Raum verlagert.“ In seinem Lokal hängen große Leinwände an den Wänden. Die Farben Gelb und Blau dominieren. Denn 2017 führte ihn eine Reise in die Ukraine. Seitdem fühlt er, der als Kind in der Zeit des Vietnamkriegs aufwuchs, sich mit dem Land verbunden. Als der Ukrainekrieg im vergangenen Jahr ausbrach, schloss er kurzerhand für mehrere Monate das K41, um vor Ort zu helfen.





