
Ja, ich will!
Kaum ein Antrag bereitet Studierenden so viel Kopfzerbrechen wie der auf BAföG. Claudia Köbler und Bernd Bayer vom Amt für Ausbildungsförderung unterstützen, wenn es bei der Antragsstellung hakt.

Über 30 Jahre lang arbeitet Claudia Köbler bereits im Amt für Ausbildungsförderung, zuvor hat sie während ihres Studiums selbst BAföG bezogen. Ihr Gruppenleiter Bernd Bayer ist für die besonders kniffeligen Fälle zuständig und seit 2011 im Amt. Gemeinsam verraten sie Tipps, Durchhalteparolen und warum es für die Antragsarbeit den besten Stundenlohn gibt.

Was ist der häufigste Satz, den Sie hören, wenn ein Studierender Sie um Geld bittet?
Claudia Köbler: Muss ich das wirklich ausfüllen? Viele finden den Antrag zu kompliziert. Wenn man sich die Zeit nimmt – und eine halbe Stunde reicht meist aus – erklären sich viele Fragen von selbst. Aber in unserer schnelllebigen Zeit wollen sich die wenigsten noch diese Zeit nehmen.
Welche Durchhalteparole empfehlen Sie, um sich durch den seitenlangen Papierkram zu kämpfen?
Bernd Bayer: Wenn sich jemand bei mir über die vielen Formulare oder die Bürokratie beschwert, versuche ich klarzumachen, was der finanzielle Gegenwert für die Zeit ist, die man für das Ausfüllen aller Formblätter braucht. Meist sind es nur drei Formblätter, dazu ein paar Nachweise. Wenn man dann 6.000 bis 8.000 Euro im Jahr rausbekommt, ist das ein wahnsinnig guter Stundenlohn.
Claudia Köbler: Ich sage oft: Wenn zehn Euro am Boden liegen, hebt man den Schein auf oder lässt man ihn liegen? Genauso kann ein Formblatt, das man korrekt oder zusätzlich ausfüllt, auch ein bisschen mehr Geld im Monat bedeuten. Dass wir manchmal den einen oder anderen Nachweis mehr anfordern, ist keine Schikane von uns, sondern oftmals eine Hilfestellung für eine korrekte Bearbeitung und dadurch eventuell auch mehr Förderung.
Inzwischen gibt es StartUps, die damit werben, leichter an die BAföG-Förderung zu kommen. Spart man damit wirklich Zeit und Nerven?
Bernd Bayer: Solche StartUps führen zwar schön durch den Antrag, aber das schafft man auch ohne deren Hilfe, wenn man die Formblätter in Ruhe und der Reihe nach durchgeht. Außerdem kommen im persönlichen Gespräch mit dem Sachbearbeiter oder der Sachbearbeiterin oft noch Fragen auf, bei denen so ein StartUp gar nicht erst nachhakt.
Claudia Köbler: Gleiches gilt für den BAföG-Rechner, den es online gibt. Der ist nur so verlässlich, wie auch die Angaben korrekt eingegeben wurden. Wem da das Fachwissen fehlt – und das können die meisten Studierenden auch gar nicht haben – sollte lieber bei uns noch einmal nachfragen, bevor er im Antrag einen falschen Haken setzt oder etwas auslässt.
Viele Studierende stellen erst gar keinen Antrag, weil sie glauben, die Eltern verdienen zu viel. Warum sollte man es trotzdem versuchen?
Bernd Bayer: Es gibt viele Faktoren, die darüber entscheiden, ob jemand gefördert wird – das Einkommen der Eltern ist nur einer davon und die Freibeträge dafür wurden seit der letzten Novelle auch deutlich erhöht. Nur weil die Eltern einen sechsstelligen Betrag im Jahr verdienen, lässt sich nicht pauschal sagen, dass da keine Förderung mehr rauskommt. Wer es genau wissen will, muss einfach einen Antrag stellen.
Claudia Köbler: Ich würde mich einfach sehr ärgern, wenn hinterher herauskommt, man hätte doch eine Förderung erhalten. Das ist die alternativlos beste Finanzierung des Studiums. Schließlich ist die Hälfte der Förderung geschenkt, die zurückzuzahlende Hälfte auf 10.010 Euro gedeckelt. So günstig kommt man nie wieder an ein Darlehen.
So günstig kommt man nie wieder an ein Darlehen.
--------Claudia Köbler
Was ist der häufigste Fehler beim Ausfüllen eines Antrags?
Bernd Bayer: Tatsächlich war die vergessene Unterschrift auf dem Antrag früher ein Klassiker. Bei fast jedem zweiten Antrag mussten wir sie nachholen lassen. Seit die Studierenden den Antrag digital stellen können, hat sich das vereinfacht und eine Namensnennung reicht aus.
Zu guter Letzt: Was raten Sie allen Studierenden für den BAföG-Antrag?
Claudia Köbler: Rechtzeitig kommen, den Antrag vollständig ausfüllen, das Kleingedruckte lesen und dann wirklich das beifügen, was verlangt wird. Umso schneller bekommt man dann auch das Geld.
5 kurze Tipps für den langen Antrag:
① Puffer einplanen: Wenn Fristen näher rücken, gibt es im BAföGAmt viel zu tun und die Bearbeitung kann länger dauern. Wer bereits zwei bis drei Monate vorher in Ruhe alle Unterlagen zusammensammelt, hat einen Zeitvorteil.
② Papier vs. digital: Mit dem digitalen BAföG-Antrag ist für Studierende vieles einfacher geworden, zum Beispiel kann der Bearbeitungsstand online eingesehen werden. Alle Formblätter gibt es aber auch noch weiterhin ganz klassisch auf Papier gedruckt.
③ Persönliches Beratungsgespräch: Lieber einmal mehr nachfragen, als im Antrag etwas falsch ankreuzen. Zu den jeweiligen Sprechzeiten sind die Beschäftigten im BAföG-Amt entweder vor Ort oder telefonisch erreichbar und helfen dann weiter.
④ Kein Kontakt oder eine schwierige Familiensituation? Kein Grund, sich dafür zu schämen. Die Beschäftigten im Amt für Ausbildungsförderung haben fast alles schon erlebt und auch Möglichkeiten, über den Amtsweg Unterlagen einzufordern.
⑤ Kopien machen: Meist ändert sich beim Weiterförderungsantrag nicht viel. Wer sich seinen ersten Antrag kopiert, fängt nicht wieder bei Null an, sondern kann das meiste übernehmen und muss nur Neues ergänzen.