Interview mit dem ehemaligen Geschäftsführer: Von Spiel- und Wohnräumen

Peter Vögl hat die Entwicklung des Studierendenwerks fast von Beginn an mitgestaltet – zunächst als Abteilungsleiter fürs BAföG, später als Geschäftsführer. An manchen Themen konnte er sich fast die Zähne ausbeißen, nie aber am Mensaessen.

Die Arbeit beim Studierendenwerk scheint Peter Vögl jung gehalten zu haben. Der ehemalige Geschäftsführer genießt seit 2007 seinen Ruhestand. Doch im Gespräch mit ihm ist immer noch die Umtriebigkeit zu spüren, mit der Peter Vögl Projekte vorantrieb und sich für die Studierenden einsetzte.

Herr Vögl, Sie haben 1991 die Geschäftsführung von Hans-Karl Trouillier übernommen. Was haben Sie von Ihrem Vorgänger gelernt?

Peter Vögl: Vor der Übergabe hatte ich bereits fast 18 Jahre lang mit ihm zusammengearbeitet. So hatte ich einen genauen Einblick in Trouilliers Arbeit. Gelernt habe ich von ihm, dass man immer sehr streng auf Vorschriften achten soll. Er war da sehr penibel. Gleichzeitig verlor er aber auch die Interessen der Studierendenschaft und der Hochschulen nicht aus den Augen. Obwohl er Anweisungen der Aufsichtsbehörde stets beachtete, fand er doch häufig Randbereiche, die sich ausnutzen ließen. Ich habe deshalb ebenfalls immer versucht, vorhandene Spielräume möglichst weit auszudehnen und sie auch meinen Mitarbeitern zu eröffnen.

Was war die größte Herausforderung in all dieser Zeit?

Die Wohnungsnot und -knappheit ist eine Sache, mit der das Studierendenwerk seit Beginn an lebt – bis heute. Vor allem in Augsburg war das ein Problem. Wir mussten in manchen Fällen über Jahrzehnte warten, bis wir ein zugesprochenes Grundstück endlich bebauen durften.

Und was war Ihr größter Erfolg?

Als das Semesterticket 1998 endlich kam, wurde es ein Riesenerfolg. In anderen Bundesländern war es längst eingeführt. Nur die Verkehrsbetriebe der bayerischen Universitätsstädte schienen sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren. Sie befürchteten, die Studierenden würden die Bahnen übervölkern und für ein Minusgeschäft sorgen. Eine Anfrage nach der anderen schmetterten sie ab. Doch ich gab nicht auf, bis ihre letzte Bastion im Hinweis auf die fehlende Rechtsgrundlage bestand. Daraufhin wandte ich mich an das Wissenschaftsministerium und zu meiner freudigen Überraschung gelang es diesem, in kürzester Zeit das Hochschulgesetz zu ergänzen. Dadurch stimmten die Verkehrsbetriebe schließlich der Einführung des Semestertickets zu.

Woran haben Sie eine besondere Erinnerung?

Eingeprägt haben sich mir die Freude und Dankbarkeit der studentischen Eltern und ihrer Kinder bei der Eröffnung des Kita-Neubaus auf dem Campus der Universität Augsburg. Zwar haben wir schon zuvor die Kinderbetreuung unterstützt, doch es gab ständig Probleme mit den Räumlichkeiten. Immer wieder musste sie umziehen, für die Kinder war keine der Lösungen ideal. Mit dem Neubau bekamen sie einen eigenen, großzügigen Bereich.

"Die Wohnungsnot und -knappheit ist eine Sache, mit der das Studierendenwerk seit Beginn an lebt – bis heute. Vor allem in Augsburg war das ein Problem. Wir mussten in manchen Fällen über Jahrzehnte warten, bis wir ein zugesprochenes Grundstück endlich bebauen durften."

--------
Vögl bei der Neueröffnung der Mensa neben seiner Nachfolgerin Doris Schneider und seinem Vorgänger Hans-Karl Trouillier
To top
Skip to content