Beratung & Behördengang gebündelt

Dr. Sabine Tamm hat die Hochschulbetreuungsstelle 2001 mit ins Leben gerufen. Margot Schenker-Binder ist der neueste Zugang im Team. Gemeinsam sprechen sie darüber, was das Angebot der Stelle so einzigartig macht.

von links: Carolin Bernhard und Jasmin Lindner von der Ausländerbehörde der Stadt Augsburg mit Margot Schenker-Binder

Seit mehr als 20 Jahren unterstützt die Hochschulbetreuungsstelle Studierende und Gastwissenschaftler*innen aus dem
Nicht-EU-Ausland bei melde- und aufenthaltsrechtlichen Angelegenheiten. Mit diesem Angebot ist sie einzigartig in Deutschland. Die Einrichtung bündelt Beratung und Behördengang.

Doch dem war nicht immer so, wie Dr. Sabine Tamm, Leiterin des Akademischen Auslandsamtes an der Universität Augsburg erzählt.

Dr. Sabine Tamm: Als ich 1998 meine Stelle angetreten habe, haben sich viele über die Zustände in der Ausländerbehörde beschwert. Die beiden Halbtagskräfte dort waren zuständig für einen großen Personenkreis aus dem Ausland, angefangen von Au-Pairs bis hin zu Bauarbeitern mit Werksverträgen. Studierende und Gastwissenschaftler*innen fielen auch darunter, doch für den Hochschulbereich gab es keine Kompetenz. Die Wartezeiten waren lang, der Parteiverkehr hoch. Teilweise musste man sich um 4 Uhr morgens anstellen, um dranzukommen. Fehlten dann Unterlagen, wurde man wieder weggeschickt.

Frau Schenker-Binder, Sie sind seit fast einem Jahr als Beraterin im Team. Zuvor haben Sie im International Office der Universität Stuttgart gearbeitet. War die Situation dort ähnlich?

Margot Schenker-Binder: Ich hatte vorwiegend mit den internationalen Studierenden aus Übersee zu tun. Daher kannte ich die Probleme, die mit Aufenthaltsgenehmigungen und Visa einhergehen.

Wie löste man das in Augsburg?

Dr. Sabine Tamm: In vielen Gesprächen mit Universitätsleitung, Stadtspitze und dem Ministerium entstand die Idee einer gemeinsamen Anlaufstelle, bestehend aus einer Person für die Beratung angestellt an den Hochschulen und einer weiteren Person von der Ausländerbehörde der Stadt nebenan für den hoheitsrechtlichen Vollzug.

Margot Schenker-Binder: Gerade diesen Ansatz finde ich toll. Man arbeitet Tür an Tür. Ich kann immer nebenan bei den Kolleginnen von der Ausländerbehörde klopfen. So bekommt man möglichst schnell die benötigten Informationen und hat das Gefühl, wirklich etwas für die Studierenden zu erreichen. Pro Jahr bearbeiten wir gemeinsam etwa 2.000 persönliche Vorsprachen.

Welche Herausforderungen ergaben sich bei der Realisierung der Stelle?

Dr. Sabine Tamm: Da gab es natürlich sehr viele – finanzielle, personelle und organisatorische. Aber wir brauchten zum Beispiel auch einen Safe, um die Aufenthaltsetiketten einzusperren. Dieser musste wiederum genaue Sicherheitsbestimmungen erfüllen und entsprechend stabil sein. Wir haben bestimmt mehrere Wochenenden allein da- mit verbracht, uns mit Safes und Tresoren auseinanderzusetzen.

Inzwischen hat sich die Hochschulbetreuungsstelle als Dauereinrichtung etabliert. Was waren die wichtigsten Schritte?

Dr. Sabine Tamm: Die erste Vereinbarung zwischen den Projektpartnern lief über zwei Jahre, gemeinsam teilten wir uns die Personalkosten. Diese Vereinbarung wurde immer wieder verlängert, erst 2013 wurde die Stelle entfristet.

Margot Schenker-Binder: Seit Corona vergeben wir feste Termine. Vieles lässt sich außerdem inzwischen per Mail klären. In der Regel antworte ich innerhalb von 24 Stunden. Die meisten Unterlagen schicken die Studierenden uns vorab und wir prüfen diese. Sie kommen dann erst persönlich vorbei, wenn alles vollständig und in trockenen Tüchern ist. Das ist für alle eine große Entlastung.

Dr. Sabine Tamm: Früher erzählten Studierende, dass sie vor einem Termin bei der Ausländerbehörde tagelang nicht schlafen konnten. Sie hatten Angst davor, wie es ausgeht. Das ist zum Glück nicht mehr so. 

Hochschulbetreuungsstelle: Vom Modell zur Dauereinrichtung

  • 2002 wurde die Hochschulbetreuungsstelle von den Augsburger Hochschulen, der Stadt Augsburg und dem Studierendenwerk ins Leben gerufen.
  • Zunächst als Modellprojekt mit dem Namen „Willkommen an den Augsburger Hochschulen“ gegründet, hat sie sich inzwischen fest etabliert und gilt als Vorbild für eine exzellente Betreuung ausländischer Studierender.
  • 2003 vergab das Auswärtige Amt dafür einen Preis, im gleichen Jahr empfahl der Bayerische Landtag sie in einem Beschluss zur Nachahmung
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