About a Servicemitarbeiterin oder der Tag der toten Ente

Beim Infopoint des Studierendenwerks kommen alle vorbei, die nicht mehr weiterwissen. Dann hilft Hedwig Gebauer. Egal was für skurrile Ausmaße das annimmt, sie hat immer ein offenes Ohr. Welcher Fall ihr heute noch Rätsel aufgibt.

Hedwig Gebauer lässt sich von nichts so schnell aus der Ruhe bringen: Die gelernte Köchin und Hotelbetriebswirtin hat in ihrer früheren Lauf­bahn unter anderem beim Weltwirtschaftsforum in Davos gearbeitet. Heute organisiert sie das Catering für Hochschulveranstaltungen und statt reichen Finanzbossen hilft sie Studierenden mit Geldproblemen weiter. Dann wenn die CampusCard streikt oder der Schein im Automaten festhängt, ist sie zur Stelle.

Doch der Info­point, an dem sie seit 2013 im Erdgeschoss der Mensa an der Uni Augsburg wirkt, ist Anlaufpunkt für noch viel mehr verzwickte Fälle und ungewöhnliche Fragen. Ge­nervt ist sie davon allerdings nie: „Selbst wenn ich eine Frage schon hundertmal gehört habe, für den auf der an­deren Seite ist sie neu und er stellt sie zum ersten Mal.“

Von Geldscheinfressern, vollgepackten Koffern und verzweifelten Erstsemestern

Mit wenigen Worten gelingt es ihr meist, ihre Gegen­über zu beruhigen, auch wenn die Aufregung zunächst groß ist. Manchmal braucht es nur ein paar geschickte Handgriffe sowie den richtigen Schlüssel und sie befreit das wieder aus dem Aufwerter-Automaten, was der zu­vor irrtümlich gefressen hat. Manchmal braucht es aber auch mehr und vor allem ein offenes Ohr.

Dann stehen am Infopoint plötzlich internationale Studierende mit vollgepackten Koffern, aber ohne Aussicht auf eine Woh­nung oder verzweifelte Erstsemester, die sich auf dem großen Campusgelände verlaufen haben. In der Regel weiß Hedwig Gebauer den richtigen Weg oder verweist an die richtigen Ansprechpartner*innen. In anderen Fällen wiederum muss sie selbst erst einmal überlegen: „Eines Tages stand jemand vor mir, der eine tote Ente im Uniteich gefunden hatte.“

Von verschwundener Unterwäsche und kunstvoll gefalteten Kassenzetteln

Manchmal suchen Studierende bei ihr auch keinen Rat, sondern eine ganz bestimmte Sache. Denn immer wieder gehen in der großen Mensa Handys und Schlüs­sel verloren, werden Studien-Skripte und Laptop-Taschen vergessen. „Einmal kam eine Studierende schüchtern zu mir. Als ich nachfragte, erzählt sie mir, dass sie ihren BH in der Mensa liegen gelassen hatte.“ Rätsel gab ihr auch der Origami-Fall auf. Über Monate hinweg fand sie immer wieder kleine Kraniche gefaltet aus Mensa-Kassenbons im Ein­gangsbereich. „Bestimmt 30 Stück waren das irgendwann, ein richtiger Zoo. Wer dahintergesteckt hat, das habe ich nie herausgefunden.“

Übrigens ist es Hedwig Gebauer vor Kurzem selbst passiert: In der Parkgarage steckte sie beim Bezahlen die Kar­te in den falschen Schlitz. Erst­mal stand sie hilflos vor dem Automaten, dann musste sie lachen: „Jeden Tag er­kläre ich den Studieren­den dort, wie es richtig geht, und dann bin ich so in Gedanken versun­ken, dass ich es eben­falls falsch mache.“

Bildnachweis: Agnes Mayer

„Selbst wenn ich eine Frage schon hundertmal gehört habe, für den auf der an­deren Seite ist sie neu und er stellt sie zum ersten Mal.“

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