Früher Küchenschrank, heute Hantelbank

Vor 50 Jahren eröffnete das Studierendenwerk die erste Mensa. Jetzt ist davon kaum noch etwas übrig. Ein Treffen vor Ort mit denen, die in der Anfangszeit für die hungrigen Studierenden die Mahlzeiten auf den Teller brachten.

Der Putz bröckelt, die Regenrinne rostet, riesige Reifen liegen im Hinterhof. „Hier war der Mitarbeitereingang“, erzählt Elfriede Schröter und deutet auf eine Metalltüre. Ein kalter Wind geht an diesem Frühlingstag, vom warmen Mittagstisch vergangener Zeiten ist nichts mehr zu spüren. Schröter ist heute 67 Jahre alt und seit ein paar Jahren in Rente. Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat sie für das Studierendenwerk gearbeitet, ebenso wie ihre Kolleginnen Barbara Kurzer und Annemarie Plandowski. Rechnet man all ihre Berufsjahre zusammen, haben sie mehr als ein Jahrhundert lang Nudelsaucen gekocht, Brötchen geschmiert, Lebensmittel bestellt und Speisepläne erstellt.

Aus einer umgebauten Fabrikhalle wird 1973 eine Mensa für Studierende

Angefangen haben die Drei als junge Frauen im Abstand von wenigen Jahre an ein- und demselben Ort – dem Campus der Alten Universität Augsburg in der Memminger Straße. Hier entstand 1973 in einer umgebauten Fabrikhalle zunächst eine Cafeteria, kurze Zeit später kam eine Mensa hinzu. Bis zu 900 Essen gingen dort täglich über den Tresen. 26 Jahre später war an diesem Standort Schluss mit der Essensausgabe. Die letzten Lehrstühle und Studierenden zogen vom alten auf den neuen Campus um, sie konnten sich fortan in der dortigen Zentralmensa versorgen. Und heute?

Annemarie Plandowski, Elfriede Schröter und Barbara Kurze blicken durch die Fenster des ehemaligen Mensagebäudes. Was es dort wohl zu entdecken gibt?
Bildnachweis: Klaus Satzinger-Viel

Alles harte Arbeit, alles Handarbeit

Neugierig erkunden Schröter, Kurzer und Plandowski das Grundstück, das früher ihr täglicher Arbeitsort war und tauschen dabei ihre Erinnerungen aus. Die Umrisse des Gebäudes sind dieselben geblieben, doch Fassade und vor allem das Innenleben sind für sie neu. Inzwischen hat ein Fitnessstudio hier nun seine Adresse. Die großen Fenster geben den Blick frei auf Hantelbänke, Stepper und Laufbänder. Die großen Reifen im Hinterhof sind Trainingsgeräte für den Outdoorbereich, dazwischen macht eine junge Frau gerade Übungen auf einer Fitnessmatte.

 

Im Hinterhof dienen alte LKW-Reifen als Trainingsgeräte. Die drei ehemaligen Beschäftigten schwelgen dort in Erinnerungen und sehen gemeinsam alte Fotos durch. Bildnachweis: Klaus Satzinger-Viel

Schweißtreibend war die Arbeit aber auch schon, als hier noch Mensa und Cafeteria vorzufinden waren. „Meine Einstiegszeit war hart“, bringt es Barbara Kurzer auf den Punkt. Sie kam 1984 aus der DDR nach Augsburg. Beim Studierendenwerk fand sie eine erste Anstellung als Küchenhilfe in der Memminger Straße, später eröffnete sie die neuen Cafeterien am Brunnenlech und an der Universität.

Der Ton in der Hochschulgastronomie war damals schroff, die Tätigkeit vor allem Handarbeit. Säckeweise Kartoffeln schälen, Wannen voller Salat putzen, Hunderte von Schnitzeln und Pfannkuchen herausbacken – „Oh, wie ein Weltmeister habe ich Pfannkuchen gebacken!“, erinnert sich Kurzer. „Was wir früher alles selbst gemacht haben, das glaubt uns heute
keiner mehr.“ Auch in den Semesterferien, wenn die Mensa leer blieb, galt das nicht für die Küche. Dann wurden Saucen eingekocht und zum Beispiel Linsenbratlinge geformt und tiefgefroren.

Vegetarische Gerichte kamen erst nach und nach auf die Teller

Annemarie Plandowski war anfangs eine der Köchinnen, nach ihrer Elternzeit übernahm sie den Bereich Hygiene in der Hochschulgastronomie. 1978 – den Abschluss von der Wirtschaftsschule frisch in der Tasche – wollte sie eigentlich nur zum Überbrücken für ein Jahr bleiben, am Schluss wurden es über 44 Jahre. In all der Zeit machte sie viele Veränderungen mit. „Vegetarische Hauptgerichte gab es anfangs noch nicht, das kam langsam erst“, erklärt sie.

Ein Bild aus alten Zeiten: Damals war es Gang und Gäbe, dass in der Mensa Zigaretten geraucht und Bier getrunken wurde. Bildnachweis: Wolf Lamers

Stattdessen war etwas Anderes in Mensa und Cafeteria verbreitet, was heute unvorstellbar scheint: In den Räumlichkeiten in den Memminger Straße hing der Zigarettenrauch, auf den Tischen standen die Bierflaschen. Alte Fotografien zeigen die Studierenden mit Stummel in der Hand, alte Verkaufslisten aus dieser Zeit geben Aufschluss darüber, dass mehr als die Hälfte der Getränke Bier war. „Manche haben uns das kistenweise abgekauft“, sagt Kurzer, während Schröter erzählt: „Und die Kippen haben sie uns auf den Tellern ausgedrückt.“

Trotzdem erinnern sich alle noch gerne an ihre studierenden Gäste in Mensa und Cafeteria. Barbara Kurzer schimpft ein bisschen: „Damals haben die ja noch mit uns geredet, heute haben sie ja nur noch ihre Stöpsel im Ohr.“ Oft gab es Lob, wenn es gut geschmeckt hat. Oft einen netten Schwatz, wenn das Essen ausgegeben wurde. Und wenn jemand sein Diplom gemacht, geheiratet oder ein Kind bekommen hat, brachten die Studierenden gerne Fotos mit. „Wir hatten eine ganze
Pinnwand mit diesen Bildern.“

Das kam auf den Tisch!

Für Vegetarier war das Mensaangebot Anfang der 80er Jahre noch mehr als bescheiden, wie dieser alte Speiseplan zeigt. Studierende hatten die Auswahl zwischen zwei Fleischmahlzeiten, dazu gab es verschiedene Beilagen, Salate und jeden Tag ein wechselndes Dessert. Heute bietet das Studierendenwerk Augsburg seinen Gästen in den Mensen und Cafeterien ein deutlich abwechslungsreicheres Angebot, natürlich auch an vielfältigen leckeren vegetarischen und veganen Gerichten. Am „Grünen Mittwoch“ wird in den Mensen beispielsweise nur mit pflanzlichen Zutaten gekocht.

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