
Codename Kartoffel
Weil die Gebäudeform daran erinnert, wurde das Bauprojekt intern beim Architekturbüro nach einem Knollengemüse benannt. Dahinter steckte aber auch so manche Herausforderung, wie Rainer Streule von „Drei Architekten“ erzählt.

Herr Streule, verraten Sie uns aus der Perspektive eines Architekten: Auf welches bauliche Detail sollte man als Besucher*in achten?
Rainer Streule: Besonders prägend ist die eloxierte Metallfassade – farbig an den Bestand angepasst und dennoch ganz anders in Materialität und Detailausführung. Vorgehängte Einzelfenster mit aufgesetzten Linsen werden über die umlaufenden Fensterbänke fein geschossweise gegliedert.

Wo lag die besondere Herausforderung bei diesem Projekt?
Streule: Der Neubau des Servicegebäudes war für uns durch die Gebäudeform mit runden Formen – intern ‚Kartoffel‘ genannt – tatsächlich Neuland. Als Grundlage unserer Arbeit bevorzugen wir sonst kubische Gebäude – wie auch bei den beiden Bauabschnitten der benachbarten Studierenden-Wohnanlage. Die runde Form zieht sich einmal durch das ganze Gebäude: angefangen beim Lageplan bis hin zum letzten Schreineranschluss im Foyer.
Wie ist es gelungen, bei diesem Neubau Funktionalität und Ästhetik zu kombinieren?
Streule: Wir haben in umfangreichen Studien sehr viel Zeit in die Ausformulierung der Fassade investiert. Ich denke, das Ergebnis spricht für sich. Das Haus ist sehr präsent, obwohl es – betrachtet man seine Grundfläche von etwa 400 Quadratmetern pro Geschoss – nicht besonders groß ist. Das lebendige und von jedem Betrachtungswinkel unterschiedlich wirkende Spiel der Fassade wird durch die Farbigkeit und die Eloxal-Ausführung der Oberflächen unterstützt. Das als Gesamtes bildet eine klare neue Adresse für das Studierendenwerk.
Eloxiert: Was der Fassade ihr besonderes Aussehen verleiht

Ihr Architekturbüro Drei Architekten hat bereits die Studierenden-Wohnanlage direkt nebenan entworfen, also ein Gebäude mit ganz anderer Funktion. Gibt es dennoch Gemeinsamkeiten?
Streule: Natürlich sind wir als Architekten bestrebt, Bestehendes und Neues miteinander zu verbinden. Das war hier durch die äußere Form eine spannende und herausfordernde Aufgabe. Die Farbigkeit des Neubaus orientiert sich bewusst am Bestand – und ist je nach Sonneneinfall fast deckungsgleich. Im Inneren dominieren helle und robuste Materialien wie Sichtbeton im Kern und weiß gestrichene Leichtbauwände. All diese Themen findet man auch bei der Wohnanlage nebenan. Ebenso sind Details wie die Treppengeländer analog ausgeführt und stellen so eine Verbindung her.
Was wünschen Sie den zukünftigen Nutzer*innen des Gebäudes?
Streule: Sie sollen erst einmal ankommen, sich an das neue Gebäude gewöhnen und auf die neue Situation einlassen. Das Haus gibt hierfür nur den Rahmen, aber braucht auch Zeit, sich an den Nutzer zu gewöhnen. Gleiches gilt andersrum.
Das Architekturbüro Drei Architekten
- Drei Architekten war bereits 2011 und 2017 für die beiden Bauabschnitte der Studierenden-Wohnanlage an der Bürgermeister-Ulrich-Straße verantwortlich.
- Seit seiner Gründung in den 80er Jahren ist das Stuttgarter Architekturbüro auf Bauprojekte für Bildung, Soziales, Kultur und Sport, auf Sonderbauten und Machbarkeitsstudien spezialisiert.
- Zu seinen Auftraggeber*innen zählen vorwiegend öffentliche Träger, Stiftungen und Vereine.
- Rainer Streule führt das Architekturbüro gemeinsam mit seinen Partnern Harald Konsek und Christian Vogel.